Ring2 — das Hamburg Logbuch
Kalenderwoche 26 · Montag, 22. Juni 2026 Erik POP — die wöchentliche Hamburg-Kolumne aus Altona
Moin.
Die zurückliegende Woche war eine von der schwülen Sorte. Über 30 Grad, Tropennacht, Gewitter im Anflug — Fenster auf oder zu? Hamburg hat in sieben Tagen gleichzeitig demonstriert, gefeiert und geschwitzt. Hol Dir einen heißen Tee und folge mir in die News der letzten Woche … (auch wenn ich den Sonntag total verschwitzt habe ;)
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Wer ist hier radikal? Die Bürgerschaft und der Verfassungsschutz-Check
Fangen wir mit dem an, worüber man eigentlich länger reden müsste, als es eine Kolumne hergibt. Am Mittwoch hat die Hamburger Bürgerschaft die sogenannte Regelanfrage beschlossen — künftig prüft der Verfassungsschutz Bewerberinnen und Bewerber für den öffentlichen Dienst ob sich nicht doch radikale Ideen hinter der Fassade verbergen. SPD, Grüne und CDU stimmten dafür, Linke und AfD dagegen. Am Ende: Angenommen mit 85 zu 25 Stimmen.
Ein Zusatzantrag schärft nach: Das Landesamt für Verfassungsschutz soll künftig nicht nur sagen ob, sondern auch was es über jemanden weiß. Nach drei Jahren wird das Gesetz überprüft. In Kraft treten könnte es schon im August.
Und das ist eben kein Detail aus dem Maschinenraum der Verwaltung. Der SPD-Innenpolitiker Sören Schumacher sagt, man müsse verhindern, dass Verfassungsfeinde staatliche Institutionen unterwandern. Die Linke — Deniz Celik — warnt, dass unter dem Vorwand des Demokratieschutzes auch Menschen eingeschüchtert würden, die sich für Antifaschismus, Klimaschutz oder Frieden engagieren. Schon einen Tag vorher, am Dienstag, gingen Menschen dagegen auf die Straße: Die Polizei zählte 260, die Veranstalter sprechen von rund 500. Für die Wichtigkeit des Themas eigentlich zu wenige.
Verkehr: Hamburg fährt Rad — und die Bahn fährt nicht
Am Sonntag war die Stadt für einen Tag in der Hand der Radfahrenden. Die 31. Fahrradsternfahrt — Veranstalter ADFC und Mobil ohne Auto — zog von über 60 Startpunkten zwischen Itzehoe und Lüneburg in die Innenstadt. Zehn- bis zwölftausend Menschen wurden erwartet. Das Highlight, wie jedes Jahr: einmal mit dem Rad über die Köhlbrandbrücke, der einzige Tag im Jahr, an dem das geht. Treffpunkt war am Jungfernstieg, 15 Uhr, dann der Endspurt über die Lombardsbrücke. Gefordert wurde, was hier seit Jahren gefordert wird: Tempo 30 innerorts und eine autofreie Innenstadt im Ring 1. Bundesweit gab es 13 solcher Sternfahrten, Motto: „Die Zukunft fährt Rad.”
Zänk You. Sommer ist Baustellensaison - auch bei der Bahn
Die Schiene macht weiter Kummer. Seit dem 14. Juni und noch bis zum 10. Juli ist der Abschnitt zwischen Lüneburg und Uelzen dicht, zweiter Teil der Sanierung auf einer der wichtigsten Bahnstrecken des Landes. Züge fahren nur stündlich, Ersatzverkehr mit Bussen. Und am Hauptbahnhof, an den Gleisen 13 und 14, wo die Züge aus Lüneburg und Hannover ankommen, drängt sich wie immer halb Norddeutschland. Wer in diesen Wochen Richtung Süden will: Geduld einpacken - und genug zu trinken, denn ob es genügend an Bord gibt ist nie sicher.
Hitze: Tropennacht über der Hansestadt
Das Wochenende kam mit Wucht. Der Deutsche Wetterdienst meldete über 30 Grad, am Freitag 34, dazu Gewitter mit Starkregen und Böen mit Orkanstärke - ob das die Zelte auf der altonale ausgehalten haben?
DWD-Meteorologe Jens Kieser sprach von einer Tropennacht — wenn die Temperatur nachts nicht mehr unter 20 Grad fällt. Praktisch: Die Stadt hat eine Online-Karte „Kühle Orte” — Grünanlagen, Bademöglichkeiten, Trinkwasserstellen. Ich war an der fünf Grad kühleren Ostsee. Funktioniert auch.
Pride Month: Queere Forschung zum Mittag
Die HAW Hamburg lädt im Pride Month zu drei „Lunchtalks” — queere Forschung, zur Mittagszeit, mit oder ohne Stulle. Den Auftakt machte am 10. Juni die Erziehungswissenschaftlerin Anne Franze mit „Diversität im Kinderbuchregal”. Sie bewertet Kinderbücher mit Herzen und Blitzen — drei Herzen für gelungene Vielfalt, ein Blitz für problematische Inhalte. Die Conni-Reihe? „Leicht problematisch”: alle Hauptfiguren normschön, weiß, heterosexuell.
Am 18. Juni stellte Professorin Sabine Wöhlke eine Studie zur gesundheitlichen Versorgung von trans* Kindern und Jugendlichen vor. Und am 29. Juni — also kommende Woche — geht es um Einsamkeit unter trans* und nicht-binären Studierenden. Hingehen oder online zuschalten, beides geht. Anmeldung übers Gleichstellungsbüro.
Apropos queer und Fußball: Zur Männer-WM gab es im Gängeviertel ein queeres Public Viewing namens „Spielraum” — Motto „Anstößchen! Football is coming Homo”, kommentiert von einem queeren Team, mit Torwandschießen und Kinderschminken für Erwachsene. Nationalflaggen unerwünscht. So lässt sich das FIFA Turnier sogar aushalten.
Die kleine, schräge Geschichte der Woche: Kaffee aus dem Lastenrad
Studierende der HAW haben das „Velobrew” gebaut — ein Lastenrad, das per Solarmodul seinen eigenen Strom macht und damit eine Kaffeemaschine betreibt. Absteigen, Solarplatten ausklappen, Filterkaffee aufsetzen. Bewusst Filter statt Siebträger, weil die Ökobilanz besser ist. Eine volle Batterie reicht für rund 100 Tassen, die Bohnen kommen von einer Kooperative aus Wilhelmsburg. Kostenpunkt: rund 1000 Euro.
Kultur: Die Altonale, mein Nachbarschaftsfest — und seine Zukunftsfrage
Vor der Haustür: Die Altonale lief zehn Tage, vom 12. bis zum 21. Juni, Motto „Festival der kulturellen Vielfalt”. Herzstück der Platz der Republik, das meiste kostenlos oder nach dem Prinzip „Pay what you want”. Das Straßenkunst-Festival STAMP am Abschlusswochenende, die Infomeile „Buntes Altona” zwischen Bahnhof und Rathaus, das gemeinschaftliche Kulturfutter aus geretteten Lebensmitteln. Schön war’s.
Aber — und das gehört dazu — die Altonale kämpft. Gestiegene Kosten, weniger Sponsoren, knappe Förderung. Dass es die Ausgabe 2026 überhaupt gab, lag an einer Spendenkampagne. Ob im nächsten Jahr noch Festival ist, weiß niemand. Für ein Fest, dessen ganze Idee „Kultur für alle, möglichst umsonst” ist, wäre das ein echter Verlust. Ich sage es als Anwohner: Lasst uns das nicht so leicht hergeben.
Ausblick: die kommende Woche
Bis 10. Juli: Streckensperrung Lüneburg–Uelzen, Züge Richtung Hannover nur stündlich, Ersatzverkehr. Wer reist, plant Puffer ein.
22. Juni bis 3. Juli: Asphaltarbeiten in der Stadt sorgen für Verkehrseinschränkungen (Quelle: hamburg.de).
Montag, 29. Juni, 13.30 Uhr: Letzter Pride-Month-Lunchtalk der HAW — Lynn Müller über Einsamkeit unter trans* und nicht-binären Studierenden, hybrid in der Alexanderstraße 1 oder online.
Bleib im Schatten, trink genug, und falls Dir jemand auf einem Solar-Lastenrad einen Filterkaffee anbietet: genieß ihn.
Bis nächste Woche, hakt dich fuchtig,
Dein Erik
Quellen
FINK.HAMBURG: „Bürgerschaft hat für Verfassungsschutz-Check abgestimmt” (18.06.2026) — https://fink.hamburg/2026/06/buergerschaft-hat-fuer-verfassungsschutz-check-abgestimmt/
FINK.HAMBURG: „Sternfahrt 2026: Hamburg demonstriert auf dem Rad” (18.06.2026) — https://fink.hamburg/2026/06/sternfahrt-2026-hamburg-demonstriert-auf-dem-rad/
FINK.HAMBURG: „Hamburg, der Sommer ist da!” (18.06.2026) — https://fink.hamburg/2026/06/hamburg-der-sommer-ist-da/
FINK.HAMBURG: „Pride Month: Queere Forschung an der HAW Hamburg” (18.06.2026) — https://fink.hamburg/2026/06/pride-month-queere-forschung-an-der-haw-hamburg/
FINK.HAMBURG: „Kaffee aus dem Fahrrad – und das ist erst der Anfang” (18.06.2026) — https://fink.hamburg/2026/06/kaffee-aus-dem-fahrrad-und-das-ist-erst-der-anfang/
FINK.HAMBURG: „Kostenlos Kultur! Die Altonale startet” (09.06.2026) — https://fink.hamburg/2026/06/kostenlos-kultur-die-altonale-startet/
FINK.HAMBURG: „Queeres Public Viewing der WM im Gängeviertel” (11.06.2026) — https://fink.hamburg/2026/06/queeres-public-viewing-der-wm-in-hamburgs-gaengeviertel/
FINK.HAMBURG: „Streckensperrung zwischen Hannover und Hamburg” (11.06.2026) — https://fink.hamburg/2026/06/streckensperrung-zwischen-hannover-und-hamburg/
hamburg.de — Aktuelles (u. a. Asphaltarbeiten 22.06.–03.07.2026; Positionspapier der norddeutschen Finanzministerinnen und -minister zur Erbschaftsteuer, 19.06.2026) — https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/aktuelles








