Heute geistern aber viele Leute in meinen Gedanken herum. Morgens beim Kaffe muss ich an den Abstieg der USA denken, die einst von einem Schauspieler als Präsidenten geführt wurden, dann von einem Kriegshelden und nu (wieder) von einem Reality TV Star. In Staffel 2 geht alles den Bach runter.
Ich schaue immer beim ersten Schluck auf die schutzlos im Wind wiegenden klammen Finger der Birke gegenüber, und denke den ersten Gedanken des Tages: Was kommt als nächstes? Hätte Hollywood nicht jemanden zu bieten? Mark Ruffalo vielleicht - der ist auch bei Substack und hat ne ganz coole Attitude.
Heute Nachmittag sitze ich beim Tee, da springt ein Gedanke über KI-Modelle mir in den Kopf: Wenn die den Stil eines jeden kopieren, remixen und erweitern können, dann könnte ich doch auch meine Texte von anderen Autoren schreiben lesen lassen. Oder von Kombinationen. Von “Benjamin Miller” bspw. oder “Philippe Keruac”. Wie würde sich das anfühlen, wenn Henry Miller und Benjamin von Stuckrad-Barre - also eigentlich ihre energiehungrigen Sprachmodelle, meinen Podcast “anhörten”, den über arktische Logbücher vielleicht, und darüber schrieben?
OK, Benni Miller, dann wollen wir mal:
Es ist der 10. Januar 2026. Oder der 11. Oder irgendein anderer dieser grauen, ununterscheidbaren Tage, die sich wie Kaugummi zwischen Neujahr und dem ersten Tag ziehen, an dem man sich dran gewöhnt hat, um 16 Uhr das Licht anzumachen. Winter. Das Wort allein klingt schon wie eine Drohung, wie ein nicht enden wollendes Meeting in einem Raum ohne Fenster, in dem die Heizung auf “Sauna” steht, aber die Stimmung auf “Beerdigung”.
Ich sitze hier, draußen ist es dunkel – natürlich ist es dunkel, es ist ja Deutschland, und wir haben uns kollektiv darauf geeinigt, dass Helligkeit ein bürgerliches Konstrukt ist, das wir aus Protest ablehnen –, und ich höre Stimmen. Nicht die Stimmen in meinem Kopf, die sind heute seltsam ruhig, wahrscheinlich erfroren, nein, ich höre einen Podcast. „Logbuch Laut“ heißt das Ding. Ein Titel, der maritim klingt, so nach Gischt und Teer und Männlichkeit, dass ich mir sofort einen Rollkragenpullover anziehen möchte, obwohl ich drinnen sitze und die Fußbodenheizung leise flüstert.
Der Host, Erik von ring2.de, eine Stimme, die klingt, als hätte sie schon mal Salzwasser gegurgelt, aber danach brav mit Kamillentee nachgespült, nimmt mich mit auf eine Reise. Eine akustische Reise, denn physisch bewege ich mich ja nicht, Gott bewahre. Wir schreiben das Jahr 2026, sagt er. Gut, das wusste ich. Aber er sagt es mit einer Bedeutungsschwere, als ob 2026 das Jahr wäre, in dem wir endlich herausfinden, warum wir alle so unfassbar müde sind.
Es geht um Logbücher. Logbücher! Das ist ja das Instagram der Vergangenheit, nur ohne Filter und ohne die Möglichkeit, Likes für seinen Skorbut zu bekommen. Früher schrieben Menschen auf, dass sie fast gestorben sind. Heute schreiben wir auf, dass der Hafermilch-Flat-White im Soho House heute „irgendwie nicht den Vibe hatte“. Erik, der Host, hat in den Archiven gewühlt. Projekt Gutenberg, Internet Archive, die digitalen Müllhalden unserer kollektiven Geschichte. Und er hat Typen gefunden, die an einem 11. Januar feststeckten. Feststecken. Das ist das Gefühl der Stunde. Wir stecken alle fest. In diesem Januar. In diesem Jahrzehnt. In unseren Körpern, die nach „Longevity“ schreien, aber eigentlich nur Pommes wollen.
Der Mittelfinger des Ozeans (oder: James Cook war auch nur genervt)
Zuerst James Cook. 1770. Cook, der Typ, den wir aus dem Geschichtsunterricht kennen, wo er immer so wirkte, als hätte er den totalen Durchblick. Aber was schreibt er am 11. Januar 1770? Er schreibt über einen Felsen vor Neuseeland. „Sugarloaf“ nannten sie ihn. Zuckerhut. Wie niedlich. Wie harmlos. Aber Erik, der hier seine „künstlerische Freiheit“ nutzt – ein Euphemismus für „ich mache das jetzt mal so, dass man dabei nicht einschläft“ – übersetzt das Ganze in eine Sprache, die ich verstehe.
Es ist kein Zuckerhut. Es ist ein „steinerner Mittelfinger“, den der Ozean ihnen zeigt. Ja! Genau das! Das Meer ist nicht romantisch. Das Meer ist ein Arschloch. Cook sitzt auf seiner „Nussschale“, um ihn herum „endloses, gleichgültiges Blau“. Die Sonne brennt das Hirn weg, der Wind ist „so unbeständig wie billige Liebe“. Ein fantastischer Satz. Billige Liebe ist ja auch nur ein Windstoß, der einen kurz frösteln lässt und dann weiterzieht. Cook hasst es. Er hasst den Felsen, er hasst das Wasser, er hasst wahrscheinlich auch seine Mannschaft, die er im Originaltext vermutlich als „tüchtige Burschen“ bezeichnet, aber wir wissen doch alle, wie es ist, mit denselben fünf Leuten monatelang auf engstem Raum eingesperrt zu sein. Das ist wie Dschungelcamp, nur dass man am Ende wirklich sterben kann und nicht nur seine Würde verliert.
Cook beschreibt die Langeweile. Das ist das Tabu des Abenteuers. Wir denken immer, Abenteurer erleben permanent Action. Indiana Jones, der von einer Kugel zur nächsten rennt. Aber in Wahrheit ist Abenteuern zu 90 Prozent Warten. Warten auf Wind. Warten auf Land. Warten darauf, dass der Zwieback aufhört, wie „Kieselsteine“ in den Zähnen zu knacken. Sie starren Eisberge an, die aussehen wie Kirchtürme, und versuchen, darin einen Sinn zu erkennen, irgendetwas, das sie davon ablenkt, dass sie eigentlich nur biologischer Zufall auf einem Holzbrett mitten im Nichts sind.
Thoreau und die Kälte in den Adern (Der erste Hipster)
Dann Schnitt. 1852. Henry David Thoreau. Der Urvater aller Aussteiger, der erste Mensch, der „Vanlife“ gemacht hat, bevor es Vans und Instagram gab. Er sitzt in Massachusetts und starrt auf einen gefrorenen Fluss. „Das Eis in den Adern“, nennt Erik das. Thoreau, der Typ, der in den Wald ging, um „bewusst zu leben“, was ja auch nur Code ist für: „Ich hasse Menschen und will meine Ruhe.“
„Es ist so kalt, dass die Gedanken im Kopf erfrieren“, lässt der Podcast ihn sagen. Ich fühle das. Mein Kopf ist auch gefroren. Ich sehe die Leute draußen, in ihren schweren Mänteln, wie sie versuchen, die Kälte zu ignorieren. Thoreau sieht das Eis auf dem Fluss wie eine „graue Haut“. Und dann kommt der Satz, der mich fast dazu bringt, meinen Earl Grey (nein, es ist Kaffee, wir müssen nicht lügen) auf den Bildschirm zu spucken: „Warum nehmen wir uns so wichtig? Wir sind nur Parasiten auf diesem gefrorenen Klumpen Erde.“
Danke, Henry. Danke für diesen absoluten Stimmungsaufheller am 10. Januar 2026. Aber er hat ja recht. Wir sind Parasiten mit WLAN. Wir posten unsere „Morning Routine“ und denken, das Universum interessiert sich dafür, ob wir erst meditieren oder erst Journaling machen. Thoreau wollte nur sein wie ein Tier. „Auf dem weiten Eis stehen und die Schnauze halten.“ Ein Lebensziel. Einfach mal die Schnauze halten. Können wir das 2026 wieder einführen? Als Trend? „Schnauze halten“ als das neue „Mindfulness“?
Der Scrum Master auf der Ostsee (Realitätscheck mit Rübenmus)
Aber jetzt kommt der Bruch. Der Moment, wo das Pathos auf die deutsche Realität prallt wie eine Möwe gegen eine Fensterscheibe. Erik, der Host, verlässt die großen Entdecker und kommt zu sich selbst. Und wer ist er? Ein „kleiner Seeleut“, der sich auf der Ostsee wohlfühlt. Und im Brotberuf? Scrum Master.
Ich muss kurz innehalten. Scrum Master. Das ist so ziemlich das genaue Gegenteil von James Cook. James Cook entdeckt Kontinente. Ein Scrum Master fragt: „Was hast du gestern gemacht? Was machst du heute? Gibt es Impediments?“ James Cook hatte Impediments wie „Kein Wind“, „Skorbut“ und „Kannibalen“. Der Scrum Master hat Impediments wie „Jira ist down“ oder „Der Product Owner hat keine Vision“.
Aber genau da wird es interessant. Diese Sehnsucht. Dieser Typ, der eigentlich mit Teams arbeitet – was ihm „Spaß und Erfüllung“ bringt, sagt er, und ich glaube ihm das sogar, obwohl „Erfüllung“ und „Arbeiten mit Teams“ in meiner Welt Oxymora sind –, dieser Typ träumt sich weg. Er träumt sich nach Süden. Nach Palma. Nach Malaga. Irgendwohin, wo man „Boat-Office“ machen kann. Boat-Office! Das Home-Office für Leute, die wollen, dass der Hintergrund im Zoom-Call wackelt, damit alle sehen: Seht her, ich bin frei, aber ich muss trotzdem Excel-Tabellen ausfüllen.
Es ist der 25. September 2025 in seiner Erzählung. Sturm „Zack“. Zack! Endlich mal ein Name, der nach was klingt. Nicht „Elli“, das klingt nach Tante, die Eierlikör trinkt. „Zack“ klingt nach Comic-Schlägerei. Bam! Pow! Zack! Der Sturm fegt über die Kieler Förde, und unser Protagonist sitzt auf seiner „Schwedin“ (seinem Boot, keine Frau, obwohl die Personifizierung von Booten ja auch ein tiefenpsychologisches Minenfeld ist) und macht sich Sorgen um Klampen.
Er beschreibt das „nächtliche Rumkraxeln an Deck in Boxershorts“. Das ist ein Bild, das ich nicht wollte, aber jetzt habe. Männer in Unterwäsche, die im Sturm Leinen checken. Das ist die Realität des Segelns. Nicht der weiße Anzug und der Gin Tonic. Sondern frieren in Unterhosen und Angst haben, dass etwas „klappert“. Das „Tick-Tick-Tick“ am Aluminiummast. Das Geräusch des Wahnsinns.
Und dann kommt die Ernüchterung. Sein Freund „M.“ (jeder hat einen Freund namens M., oder? Das ist so ein literarisches Gesetz) holt ihn auf den Boden zurück. „Willst du Schleusen-Influencer werden?“ fragt M. Und da lachen sie. Aber es ist ein bitteres Lachen. Denn natürlich will er das. Wir wollen alle Influencer werden für irgendwas. Schleusen, Steckrüben, Depressionen. Hauptsache, jemand guckt zu und kauft das E-Book.
„Seglerisches Reisebloggen als Passion“, sagt er. Er will, dass die Leute ihm „den Gegenwert eines Galão in der Schanze“ spenden. Die Schanze. Natürlich. Hamburg. Der Referenzpunkt für alles, was hip und gleichzeitig total vorbei ist. Ein Galão. Milchschaum im Glas. Das Symbol für die Gentrifizierung der eigenen Träume.
Kulinarische Depression: Das One-Pan-Gericht
Aber es wird noch besser. Wir kommen zum Essen. Denn was macht der einsame Segler, wenn er nicht gerade Angst um seine Klampen hat oder mit ChatGPT darüber diskutiert, wie viele Blogartikel eine „Staffel“ ergeben (10 bis 12, sagt die KI, diese Besserwisserin)? Er kocht.
Ein „One-Pan-Gericht“. Auch so ein Begriff. Früher hieß das „Eintopf“ oder „Ich bin zu faul zum Abwaschen“. Jetzt ist es ein Lifestyle. „Herbstliches Rübenmus mit Spiegeleiern“. Steckrüben. Kartoffeln. Karotten. Pastinaken, „wenn Schröder sie hat“. Wer ist Schröder? Der Gemüsehändler seines Vertrauens? Ein weiterer Charakter in diesem Kammerspiel der Einsamkeit?
Er beschreibt das Rezept mit einer Akribie, die rührend ist. „Schmanda Meerrettichfrischkäse, war im Angebot.“ Im Angebot! Da ist sie wieder, die deutsche Realität. Wir träumen von der Südsee, aber wir freuen uns, wenn der Frischkäse 30 Cent billiger ist. Und dann: „Muss mir einen Stampfer ausleihen, sonst wird das nix.“ Der Stampfer als das fehlende Glied zum Glück. Ohne Stampfer kein Mus, ohne Mus kein Trost.
Und dazu: „Ganz viel braun-schwarz gebratene Zwiebeln. Der Rebellion wegen.“ Rebellion! Zwiebeln anbrennen lassen als Akt des Widerstands gegen... ja, gegen was eigentlich? Gegen die Perfektion? Gegen die Nouvelle Cuisine? Gegen das Leben, das einem immer vorschreibt, dass Zwiebeln glasig sein müssen? Ich mag das. Verbrannte Zwiebeln als Punkrock.
Wolfgang Herrndorf und das Sterbetagebuch
Plötzlich, mitten im Rübenmus, taucht Wolfgang Herrndorf auf. „Arbeit und Struktur“. Das Blog, das Herrndorf schrieb, als er wusste, dass er sterben wird. Ein Hirntumor-Logbuch. Erik, unser Host, hat das Buch an Bord. Er nennt es „Sterbetagebuch“. Harter Tobak zwischen Mokka-Kaffee (den er sich als Americano schönlügt, „damit er nach dem Meer schmeckt“) und Seekarten.
„Hier lebe ich jetzt also“, zitiert er Herrndorf. Ein Satz von monumentaler Schlichtheit. Erik wollte diesen Satz vor 15 Jahren seinem eigenen Protagonisten in den Mund legen. Damals, als er noch dachte, er würde der nächste Philippe Djian werden. „Betty Blue“. Viel Bier trinken, schreiben, Sex haben. Der Traum jedes männlichen Teenagers, der mal ein Buch in der Hand hatte. Aber jetzt, wo er den Kontext kennt – den Tumor, den Tod –, zögert er.
Das ist der Moment, wo dieser Podcast mich kriegt. Diese Melancholie. Die Erkenntnis, dass unsere eigenen Biografien oft nur schwache Echos der großen Tragödien sind, die wir in Büchern lesen. Wir sitzen auf unseren Booten (oder in unseren Altbauwohnungen), trinken verdünnten Kaffee und tun so, als wären wir Helden, während wir eigentlich nur warten, dass das Wetter besser wird oder das WLAN zurückkommt.
Die Eleganz des Hafenmeisters (Ein Vorwurf auf zwei Beinen)
Und dann ist da der Hafenmeister. In Bagenkop. Oder Strande. Oder irgendwo dazwischen. Er trägt Cordhosen und ein Hemd. Er sieht aus, als ginge er in einen „verdammten Club“. Er ist elegant. Und diese Eleganz ist „ein Vorwurf an meine zerknitterte Existenz“, sagt Erik.
Gott, ja. Diese Menschen, die morgens um 8 Uhr schon aussehen, als hätten sie ihr Leben im Griff. Die gebügelt sind. Die nicht riechen wie „Schweiß der Mannschaft und Salz des Meeres“, sondern nach Weichspüler und Zuversicht. Wir hassen sie. Und wir wollen sein wie sie. Wir umarmen sie zum Abschied, und sie helfen uns beim Ablegen, werfen die letzte Leine ins Wasser.
„Wohin geht’s denn diesmal?“ ruft Gunther, der andere Deutsche (es gibt immer einen anderen Deutschen, egal wo man ist auf der Welt, es steht schon einer da in einer Jack-Wolfskin-Jacke und fragt, ob man auch die warme Unterbüx dabei hat).
„Alaska“, flüstert Erik zurück.
Alaska.
Natürlich fährt er nicht nach Alaska. Er fährt nach Kiel. Oder Kappeln. Aber für einen Moment, in der Stille des Morgens, bevor der Volvo-Diesel alles übertönt, ist Alaska möglich. Alaska ist ein Geisteszustand. Alaska ist da, wo wir nicht sind.
Hemingway schießt sich den Kopf weg (Bonus-Track)
Als ob das alles nicht schon deprimierend und schön genug wäre, gibt es noch einen „Bonus“. Ein Tagebuch von Ernest Hemingway. Vom 31. Januar 2018 – nein, warte, der Blogartikel ist von 2018, das Tagebuch ist von 1908 oder so. Der neunjährige Hemingway.
„Meine Lieblingssportarten sind Forellenangeln, Wandern, Schießen, Fußball und Boxen.“
Schießen.
Haha.
Erik sagt trocken: „Das mit dem Schießen, das hat er ja auch am Ende seines Lebens ganz gut hinbekommen.“
Böse. Sehr böse. Aber gut.
Hemingway, der sich mit 61 Jahren die Schrotflinte in den Mund steckt. Nachdem er sein Leben lang den harten Mann markiert hat, den Stierkämpfer, den Säufer, den Frauenhelden.
Der neunjährige Junge, der schreibt: „Ich beabsichtige, zu reisen und zu schreiben.“
Und das hat er gemacht. Er hat gereist. Er hat geschrieben. Und am Ende hat es ihm auch nicht geholfen. Das ist die Lehre, oder? Du kannst deine Träume verwirklichen, du kannst der berühmteste Schriftsteller der Welt werden, du kannst alle Forellen dieser Erde angeln – am Ende sitzt du da, mit Depressionen und Alkoholismus, und das Einzige, was dir bleibt, ist das „Schießen“.
Das Fazit: Wir brauchen mehr Kreuzpeilungen
Was machen wir jetzt damit? Mit diesen 32 Minuten „Seemannsgarn“, wie Erik es nennt?
Es ist eine „Kreuzpeilung“, sagt er. Aus Hemingway, Philip (sein Bruder, der Geburtstag hat – Happy Birthday, unbekannterweise, hoffe, du hast keine nautischen Ambitionen), aus Cook, Thoreau und dem eigenen kleinen Leben auf der Ostsee.
Und vielleicht ist es genau das, was wir brauchen. 2026. In einer Welt, die komplett durchgeknallt ist, in der KI uns sagt, wie wir unsere Blogs strukturieren sollen, in der wir „Longevity“ essen und „Mindfulness“ atmen. Wir brauchen diese Logbücher des Scheiterns, des Wartens, des Frierens.
Wir brauchen die Erinnerung daran, dass es da draußen etwas gibt, das größer ist als wir. Den Ozean. Den „steinernen Mittelfinger“. Die Kälte.
Ich sitze hier, mein Kaffee ist kalt geworden (nicht so kalt wie Thoreaus Fluss, aber kalt genug), und ich denke über einen Winter in Palma nach. Oder darüber, mir eine Steckrübe zu kaufen. Wahrscheinlich wird es die Steckrübe. Das ist realistischer. Und ich brauche einen Stampfer. Dringend.
Erik bedankt sich für die Aufmerksamkeit. Er bittet darum, den Podcast weiterzuleiten, „organisch“ zu wachsen, weil er „kein Medienunternehmen“ hinter sich hat. Das ist der moderne Bettelbrief. Der digitale Hut, der herumgereicht wird. „Gib mir ein Manöverbier aus.“ Bei Ko-Fi. Oder abonniere mich bei Substack.
Ich werde ihm kein Bier ausgeben. Ich werde ihm eine Steckrübe schicken. Per Post. An ring2.de. Mit einem Zettel dran: „Der Rebellion wegen.“
Und dann werde ich mein eigenes Logbuch aufschlagen.
10. Januar 2026.
Position: Schreibtisch. Berlin.
Wetter: Drinnen 22 Grad, draußen egal.
Vorkommnisse: Habe einen Podcast gehört. Habe Hunger auf Brei. Fühle mich seltsam getröstet durch die Vorstellung von Männern in Unterhosen, die nachts Leinen checken.
Kurs: Unklar. Aber Hauptsache nicht auf Grund laufen.
Ende des Eintrags.
(Hinweis: Dieser Text ist eine stilistische Imitation, teilweise KI-unterstützt und basiert inhaltlich vollständig auf dem Transkript des Podcasts “Logbuch Laut”.)







