babybel
Hamburg, heiter aber klirrend kalt. Minus 7 Grad am Morgen.
Vom Dach fallen Schneebretterl, als wären wir in München. Nur fehlen in Hamburg diese pittoresken kleinen Zäune vor der Regenrinne, die das Gröbste davon abhalten, sich auf Passanten zu stürzen.
Ich bin gleich bei dir, nur noch den Attacken der Kälte ausweichen, noch einmal um die Ecke, wo früher der lustige Wirt seine Fußballkneipe hatte, dann bin ich da.
Drinnen, an der Eckkneipe, bauen sie schon wieder um. Erzählt keiner den jungen Wirten, dass hier jeder Laden innerhalb eines Jahres pleite geht? Haben die finanzierenden Banken keine schwarzen Listen von Ecken, die das Erbe von Opa garantiert vernichten?
Bin gespannt, was da nu reinkommt. Nach dem lustigen Wirt waren schon Franzosen, ein Burgerladen und ein Spanier drin.
Du winkst mir zu, als ich die Bahrenfelder Straße nach oben schlendere. Meine Gedanken machen Platz für ein schönes Gefühl der Vorfreude. Meine Schritte werden schneller, wir haben uns wirklich lange nicht mehr gesehen.
Als ich näher komme, glänzt du richtig im Gesicht. Als ich dich umarme und dich zur Begrüßung küsse, schmeckt deine Wange nach Wachs. Irgendwie nach babybel — obwohl: der schmeckt ja bekanntlich nach nix. Eher wie die rote Wachshülle. Der Winter hat deine Morgencreme zu einer Schutzschicht erstarren lassen.
Insgeheim hoffe ich, dass der Rest es Tages aromatischer wird.

